Der Wackelstein an den Externsteinen

Externsteine
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Es hängt ein großer Stein oben auf der Höhe, der dräuet, wie wenn er in jedem Nu abstürzen wollte. Wie aber um alles in der Welt ist der drohende Stein nur in seine gefährliche Lage gekommen? Natürlich soll der Teufel persönlich seine Hand im Spiel gehabt haben.

Denn als die Christenmönche die obere Kapelle auf dem Turmfelsen der Externsteine in Besitz genommen hatten, und der erste Priester die sonnenglänzende Monstranz (Relegiöses Schaugerät) erhob, das Heil auszugießen, da hatte der Teufel schon einen mächtigen Felsbrocken herbeigeschleppt, um die ganze Kapelle mitsamt dem Priester und dem Leib des Herren zu zerschmettern. Als aber der Satan so im Donner heranfuhr, daß der Schwefelgestank vor ihm herbrauste, erkannte der Priester die Gefahr, wandte sich gegen der Unhold und hielt ihm die Monstranz entgegen. Vom plötzlichen Glanz des Heiligtums geblendet, deren Strahlen ihm wie Speere ins Auge drangen, brüllte der Böse erbost auf. Er warf zu kurz und der Steinblock verfehlte sein Ziel. Er blieb auf der gegenüberliegenden Felsenkuppe hängen, wo er nach Gottes Willen als Wackelstein festgebannt ist bis auf den Tag und diese Stunde.

Heulend und blind vor Wut fuhr der Satan an dem Felsen herunter und stürzte sich auf das heilige Grab, welches dort aus dem lebendigen Felsen herausgehauen ist. Er schlug seine Klauen tief in die Wand und rüttelte an der Gruft, daß die steinernen Stufen zerbrachen. Immer weiter raste der Teufel um die Steine herum und suchte sie alle umzustoßen.

Wackelstein Sage

Er stemmte sich mir seinem Gesäß unten gegen die Felsenwand aber die mächtigen Kolosse wollten nicht wanken und weichen. Da fuhr der Böse denn mit gräßlichem Gestank zurück in die Hölle und überließ das ganze Heiligtum den Paderborner Mönchen vom Kloster Abdinghof. Kein Mensch hat ihn hier wieder zu Gesicht bekriegt, und nur die Spur seiner Wut, der Wackelstein, die Klaue im Grab und das brandschwarze Loch blieben von seinem Anschlag übrig.

Quelle: Die schönsten Wesersagen von Karl Paetow